Wandern mit Kindern kann eine wunderbare Familien aktivität sein – oder eine anstrengende Herausforderung, je nachdem wie gut Sie vorbereitet sind. Als Naturpädagogin und zweifache Mutter kenne ich beide Seiten. In diesem Artikel teile ich meine besten Tipps und die schönsten kinderfreundlichen Wanderwege in den bayerischen Alpen, die auch die Kleinen begeistern.
Die richtige Einstellung: Wandern ist kein Wettkampf
Der wichtigste Tipp vorweg: Vergessen Sie Ihre gewohnten Wandertempi und Kilometerleistungen. Mit Kindern zu wandern bedeutet, die Natur mit anderen Augen zu sehen. Jeder Käfer am Wegesrand, jeder Bach und jeder Stock wird zum Abenteuer. Planen Sie deutlich mehr Zeit ein als für die reine Gehzeit angegeben – mindestens das Doppelte ist realistisch.
Kinder wandern anders als Erwachsene. Sie rennen voraus, bleiben stehen, sammeln Steine, balancieren auf Baumstämmen und entdecken tausend Dinge, die Erwachsene übersehen. Diese Unterbrechungen sind kein Hindernis, sondern der eigentliche Sinn der Wanderung. Lassen Sie sich darauf ein, und Sie werden überrascht sein, wie viel Sie selbst noch entdecken können.
Zwingen Sie Kinder nicht zum Weitergehen, wenn sie keine Lust mehr haben. Das erzeugt nur negative Assoziationen mit dem Wandern. Bauen Sie stattdessen Pausen, Spiele und Belohnungen ein. Mit der richtigen Herangehensweise werden Ihre Kinder bald selbst nach der nächsten Wanderung fragen.
Die Top 5 familienfreundlichen Wanderwege in Bayern
1. Märchenweg Schliersee (ab 3 Jahren)
Der Märchenweg am Schliersee ist perfekt für kleine Kinder. Der 2,5 Kilometer lange Rundweg führt durch den Wald und bietet 11 Stationen mit Märchenfiguren und interaktiven Elementen. Kinder können auf einem Hexenbesen reiten, durchs Märchenschloss klettern und vieles mehr entdecken. Die Gehzeit beträgt etwa 1,5 Stunden mit Kindern, plus mindestens eine Stunde zum Spielen an den Stationen.
Der Weg ist kinderwagentauglich, auch wenn einige Abschnitte etwas holprig sind. Ein robuster Kinderwagen mit guten Rädern ist empfehlenswert. Der Ausgangspunkt liegt direkt am Schliersee mit kostenlosem Parkplatz. Nach der Wanderung können Sie am See entspannen – im Sommer bietet sich ein Sprung ins kühle Wasser an.
2. Abenteuerweg Bärenpfad Oberaudorf (ab 4 Jahren)
Der Bärenpfad in Oberaudorf ist ein 4 Kilometer langer Erlebnisweg mit über 20 Stationen rund um das Thema Bären. Kinder erfahren spielerisch Wissenswertes über Bären, können in eine Bärenhöhle kriechen, ihre Kletterkünste testen und an Rätseln knobeln. Die Stationen sind liebevoll gestaltet und pädagogisch wertvoll.
Der Weg beginnt an der Talstation der Bergbahn Hocheck und führt gemütlich bergauf durch den Wald. Mit etwa 150 Höhenmetern ist er für Kinder ab 4 Jahren gut zu bewältigen. Rechnen Sie mit 2-3 Stunden Gehzeit plus ausgiebiger Spielzeit an den Stationen. Oben angekommen wartet das Berggasthaus Hocheck mit kinderfreundlicher Bewirtung und einem tollen Spielplatz.
3. Geologischer Lehrpfad Tatzelwurm (ab 5 Jahren)
Die Wanderung zum Tatzelwurm-Wasserfall kombiniert Naturerlebnis mit Wissenswertes über Geologie. Der Weg ist 3 Kilometer lang und führt zum beeindruckenden zweistufigen Wasserfall. Unterwegs gibt es Informationstafeln über die Entstehung der Alpen – aber keine Sorge, Kinder interessieren sich mehr für das tosende Wasser und die Möglichkeit, am Bach zu spielen.
Der Aufstieg zum oberen Wasserfall ist etwas steiler, aber mit guten 200 Höhenmetern für geübte Kinder machbar. Die Aussichtsplattformen am Wasserfall sind gesichert. Besonders im Frühsommer, wenn der Wasserfall durch die Schneeschmelze besonders viel Wasser führt, ist der Anblick spektakulär. Festes Schuhwerk ist wichtig, da der Weg teilweise feucht sein kann.
4. Almbachtaler Rundweg (ab 6 Jahren)
Diese 5 Kilometer lange Rundwanderung durch die Almbachklamm bei Berchtesgaden bietet Abenteuer pur. Über Stege und Brücken führt der Weg durch die enge Klamm, vorbei an tosenden Wasserfällen und Gumpen. Das Naturschauspiel beeindruckt Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Die Wege sind gut gesichert, dennoch sollten Kinder trittsicher sein.
Der Eingang zur Klamm kostet moderaten Eintritt (Erwachsene 6 Euro, Kinder 3 Euro), der sich aber absolut lohnt. Die gut gepflegten Wege und Brücken machen die Tour sicher. Nach der Klamm führt der Weg zur Kugelmühle, wo seit Jahrhunderten Marmorkugeln geschliffen werden. Kinder können selbst eine Kugel kaufen oder sogar eine schleifen lassen – ein schönes Souvenir.
5. Erlebniswanderung Eckbauer bei Garmisch (ab 7 Jahren)
Die Eckbauerbahn bringt Sie bequem auf 1236 Meter Höhe, von wo aus ein leichter Panoramaweg mit fantastischem Zugspitzblick startet. Der 4 Kilometer lange Rundweg bietet mehrere Spielstationen und einen Abenteuerspielplatz auf halber Strecke. Kinder können auf Baumstämmen balancieren, über Hindernisse klettern und die Bergwelt erleben.
Der Vorteil dieser Tour: Die Seilbahnfahrt ist für Kinder schon ein Erlebnis, und durch den Höhengewinn per Bahn bleibt mehr Energie für die eigentliche Wanderung. Der Weg ist technisch einfach mit nur leichten Steigungen. Das Gasthaus Eckbauer serviert bayerische Küche und hat eine große Sonnenterrasse mit Spielmöglichkeiten. Der Abstieg zu Fuß ist möglich, aber für kleine Kinder anstrengend – die Talfahrt mit der Bahn ist entspannter.
Motivationstricks für kleine Wanderer
Kinder brauchen Motivation. Eine effektive Methode ist das "Etappensystem": Teilen Sie die Wanderung in kurze Abschnitte und setzen Sie kleine Ziele. "Bis zur nächsten Bank" oder "bis zum großen Felsen" sind überschaubare Distanzen. Bei Erreichen jedes Etappenziels gibt es eine kurze Pause und ein Lob. So wird aus einer langen Wanderung eine Reihe kleiner Erfolge.
Geschichten und Spiele vertreiben Langeweile. Erfinden Sie eine Geschichte über Zwerge, die im Berg wohnen, oder Tiere, die Sie suchen. "Ich sehe was, was du nicht siehst" funktioniert auch auf Wanderwegen hervorragend. Naturmaterialien sammeln (Steine, Zapfen, Blätter) gibt Kindern eine Aufgabe und liefert später Material für Bastelprojekte.
Kleine Belohnungen helfen über schwierige Phasen hinweg. Ein Traubenzucker, ein Riegel oder die Aussicht auf ein Eis auf der Hütte können Wunder wirken. Übertreiben Sie es aber nicht mit Süßigkeiten – Kinder sollen nicht lernen, dass sie für normale Aktivitäten ständig belohnt werden müssen. Eine Brotzeit an einem schönen Platz mit Ausblick ist oft Belohnung genug.
Die richtige Ausrüstung für Familienwanderungen
Gute Wanderschuhe sind auch für Kinder wichtig. Sie müssen nicht teuer sein, aber gut sitzen und über den Knöchel reichen. Lassen Sie Ihr Kind die Schuhe unbedingt anprobieren und einlaufen, bevor Sie auf große Wanderung gehen. Blasen können die schönste Tour verderben. Wechselsocken im Rucksack sind empfehlenswert.
Das Zwiebelprinzip gilt auch für Kinder. Mehrere dünne Schichten sind besser als eine dicke Jacke. Kinder wechseln oft zwischen Rennen und Stillstehen, entsprechend schwankt ihre Körpertemperatur. Eine Regenjacke gehört immer in den Rucksack – Bergwetter ist unberechenbar. Auch im Sommer können Mütze und dünne Handschuhe sinnvoll sein, besonders in höheren Lagen.
Ein eigener kleiner Kinderrucksack gibt den Kleinen das Gefühl, richtige Wanderer zu sein. Füllen Sie ihn mit leichten Dingen wie einem Kuscheltier, einer Trinkflasche und vielleicht einer Lupe oder einem Fernglas. Kinder ab 4-5 Jahren können durchaus 2-3 kg tragen. Überfordern Sie sie aber nicht – der Rucksack soll Spaß machen, nicht zur Last werden.
Verpflegung: Energie für unterwegs
Kinder haben einen schnelleren Stoffwechsel als Erwachsene und brauchen regelmäßig Nachschub. Packen Sie mehr Proviant ein als Sie für nötig halten – Bergluft macht hungrig. Energiereiche Snacks wie Nüsse, Trockenfrüchte, Müsliriegel oder Bananen sind ideal. Auch belegte Brote, Käsewürfel und Gemüsesticks sind beliebt.
Trinken ist noch wichtiger als Essen. Kinder vergessen oft zu trinken, bis sie durstig sind. Bieten Sie regelmäßig Wasser an, auch wenn sie nicht danach fragen. Eine wiederverwendbare Trinkflasche für jedes Kind ist praktisch. Manche Kinder trinken lieber aus einer Flasche mit Strohhalm oder einem Trinksystem. Vermeiden Sie zu viel Zucker – pure Fruchtsäfte verdünnen oder auf Wasser setzen.
Planen Sie ausgiebige Brotzeiten ein. Eine gemütliche Pause an einem schönen Platz, wo Kinder spielen können, gehört zum Wandererlebnis dazu. Suchen Sie Plätze mit Bächen (zum Steinewerfen), Almwiesen (zum Toben) oder interessanten Felsen (zum Klettern). Die Pause sollte mindestens 20-30 Minuten dauern.
Sicherheit mit Kindern in den Bergen
Unterschätzen Sie nie die Gefahren, auch auf einfachen Wegen. Kinder sind unberechenbar und können plötzlich losrennen oder die Balance verlieren. An exponierten Stellen oder in der Nähe von Abhängen halten Sie kleine Kinder an der Hand. Ältere Kinder sollten die Gefahren kennen und entsprechend instruiert sein.
Ein Erste-Hilfe-Set ist Pflicht, erweitert um kinderspezifische Dinge wie Blasenpflaster in kleinen Größen, Desinfektionsmittel, Verbände und eventuell Mittel gegen Insektenstiche. Sonnenschutz ist essentiell – Kinderhaut ist empfindlicher als Erwachsenenhaut. Cremen Sie regelmäßig nach, auch wenn es bewölkt ist. Eine Kappe oder ein Hut schützt zusätzlich.
Erklären Sie Ihren Kindern, was sie tun sollen, wenn sie sich verlaufen. Bleiben Sie stehen und rufen Sie laut – das ist die wichtigste Regel. Ein Trillerpfeife am Rucksack hilft, auf sich aufmerksam zu machen. Älteren Kindern können Sie beibringen, dem Weg zurück zu folgen oder auf markierten Wegen zu bleiben. Ein Handy mit geladenem Akku ist selbstverständlich.
Die richtige Länge und Schwierigkeit wählen
Eine Faustregel für Wanderungen mit Kindern: Lebensalter mal 1,5 ergibt die machbare Kilometeranzahl. Ein 6-jähriges Kind schafft also etwa 9 Kilometer. Das ist aber nur ein grober Richtwert – Kondition, Gelände und Motivation spielen eine große Rolle. Starten Sie mit kürzeren Touren und steigern Sie langsam.
Höhenmeter sind für Kinder anstrengender als Kilometer auf flachem Weg. Planen Sie bei Bergtouren nur etwa halb so viele Höhenmeter wie Kilometer. 300 Höhenmeter sind für ein durchschnittlich fittes Kind ab 6 Jahren eine gute Herausforderung. Jüngere Kinder sollten mit flacheren Wegen beginnen.
Die Gehzeit ist mit Kindern höchstens ein Drittel der tatsächlich benötigten Zeit. Für eine Tour mit 2 Stunden angegebener Gehzeit planen Sie besser 4-5 Stunden ein. So bleibt genug Zeit für Pausen, Spiele und Entdeckungen ohne Stress. Lieber eine kürzere Tour entspannt genießen als eine zu lange Tour unter Zeitdruck durchhetzen.
Wetter und Jahreszeiten beachten
Kinder sind empfindlicher gegenüber Kälte und Hitze als Erwachsene. Im Hochsommer starten Sie früh morgens, um die Mittagshitze zu vermeiden. Wählen Sie schattige Waldwege statt sonniger Almflächen. Viel Sonnenschutz, Kopfbedeckung und ausreichend Flüssigkeit sind essentiell. Einige Touren sind bei Hitze ungeeignet – informieren Sie sich vorab.
Der Herbst ist eine wunderbare Zeit zum Wandern mit Kindern. Die Temperaturen sind angenehm, die Wege weniger überfüllt und die bunte Laubfärbung fasziniert Kinder. Sammeln Sie Kastanien, bunte Blätter und Eicheln für Bastelprojekte. Achten Sie aber auf rutschige Wege durch nasses Laub.
Auch der Winter bietet Möglichkeiten für Familienwanderungen, wenn auch meist kürzere. Schneeschuhwandern macht vielen Kindern Spaß, oder einfache Winterwanderungen auf geräumten Wegen. Wichtig ist warme, aber atmungsaktive Kleidung. Thermosflasche mit heißem Tee und eine geplante Einkehr in einer warmen Hütte gehören zur Winterwanderung dazu.
Fazit: Gemeinsame Erlebnisse schaffen
Wandern mit Kindern erfordert mehr Planung und Geduld als Solo-Touren, aber die gemeinsamen Erlebnisse sind unbezahlbar. Kinder, die früh positive Erfahrungen in der Natur machen, entwickeln eine lebenslange Verbindung zur Bergwelt. Sie lernen, ihre Grenzen kennenzulernen, Herausforderungen zu meistern und die Schönheit der Natur zu schätzen.
Setzen Sie sich nicht unter Druck, jede Wanderung perfekt zu machen. Manchmal läuft es nicht wie geplant – ein Kind ist quengelig, das Wetter schlägt um oder die Motivation fehlt. Das gehört dazu. Wichtig ist, flexibel zu bleiben und auch einen vorzeitigen Abbruch als Option zu sehen. Besser eine kürzere glückliche Wanderung als eine zu lange anstrengende Tour.
Die bayerischen Alpen bieten unzählige Möglichkeiten für unvergessliche Familienwanderungen. Mit der richtigen Planung, passender Ausrüstung und einer kindgerechten Herangehensweise werden auch Ihre Kleinen zu begeisterten Bergfexen. Und wer weiß – vielleicht stehen sie in ein paar Jahren auf ihrem ersten Gipfel und danken Ihnen für die Einführung in die wunderbare Welt der Berge.
Wenn Sie Unterstützung bei der Planung familienfreundlicher Wanderungen wünschen oder an einer geführten Familien-Wandertour teilnehmen möchten, kontaktieren Sie uns gerne. Unsere naturpädagogisch geschulten Guides kennen die besten kinderfreundlichen Routen und sorgen dafür, dass die ganze Familie Spaß hat.